Einblick in die Geschichte des Luftschutzbunkers am Feldtor in Zons

Bau des Bunkers am Feldtor im Februar 1944 Quelle: Photoarchiv Thomas Schwabach

Es ist nun 80 Jahre her, dass Nazi-Deutschland den 2. Weltkrieg begonnen hat. Einen Krieg, der 6 Jahre lang tobte und der rund 60.000.000 Menschen das Leben gekostet hat. Doch der Krieg, der am 1. Sep. 1939 von Deutschland aus begann, kehrte bereits im Mai 1940 in Form von Luftangriffen nach Deutschland zurück. Ganz nach dem Motto: "Man erntet was man sät."

Zu Beginn des fünf Jahre andauernden Luftkrieges standen den Bewohnern von Zons nur provisorisch hergerichtete Luftschutzräume in ihren eigenen Kellern zur Verfügung. Wer keinen eigenen Keller hatte, fand Zuflucht bei den Nachbarn. Durch die Beteiligung der USA nahmen die Luftangriffe auf deutsche Wohngebiete, Industrieanlagen und die Infrastruktur ab 1943 immer mehr zu. Da niemand vorhersagen konnte, wo genau die Bomben fallen sollten, wurde die Bevölkerung bei jeder Sichtung eines feindlichen Flugzeugs durch Sirenen in die Schutzräume getrieben.

Angesichts dieser Entwicklung plante die Stadt Zons im Herbst 1943 den Bau von zwei Bunkern mit einer gesamten Kapazität von rund 400 Schutzplätzen die Anlage am Feldtor und ein ähnliches Bauwerk am Rheintor. Dieses ist heute übererdet.

Für die Bauarbeiten, die zwischen Januar und Februar 1944 stattfanden, wurden 65 italienische Kriegsgefangene herangezogen. Zeitzeugen zu Folge waren sie teils barfuß und nur mit Lumpen bekleidet auf der Baustelle. Auch gibt es viele Berichte über die katastrophale Ernährungssituation der Gefangenen. So haben die Italiener vor lauter Hunger unter anderem ständig die Mülltonnen nach Essbarem durchsucht.

Ein Zeichen von Menschlichkeit setzten die Zonserinnen und Zonser, indem sie den Kriegsgefangenenimmer wieder heimlich Lebensmittel und Kleidung zukommen ließen. Sie verstecken die Lebensmittel entlang der Wege, welche die Gefangenen täglich zwischen ihrer Unterkunft und der Baustelle passierten. Als Verstecke dienten Lücken in der Stadtmauer und hohes Gras am Wegesrand, der Einfallsreichtum der Helfer war groß. Obwohl jegliche Art der Unterstützung von Kriegsgefangenen streng verboten war, beteiligten sich zahlreiche Bewohner von Zons an diesen Hilfeleistungen.

Nach seiner Fertigstellung fanden bei Alarm mindestens 200 Zonser hier unten einen sicheren Zufluchtsort. 800 m³ Stahlbeton und 2 Meter Deckenstärke boten den notwendigen Schutz vor den Bomben der Alliierten.

Bei Fliegeralarm betraten die Schutzsuchenden das Bauwerk über den Treppenabgang und die Gasschleuse. Der sogenannte Befehls- und Sanitätsstand war dem Bunkerwart und seinen Helfern vorbehalten. Der Bunkerwart hatte die Aufgabe die Einhaltung aller Vorschriften durchzusetzen. Er war allen Schutzsuchenden gegenüber weisungsbefugt. Personen, die z.B. durch Stürze auf dem Weg zum Bunker verletzt wurden, konnte man in diesem Raum auch notdürftig versorgen. Der Bauplan des Bunkers sah zwar den Anschluss einer Filteranlage vor, diese wurde jedoch aufgrundder Mangelwirtschaft nie geliefert. Der beim Bau angelegte Lüftungsschacht durch die 2 Meter dicke Bunkerdecke ist heute noch vorhanden.

Eine weitere Besonderheit stellen die 4 Toiletten dar, die allesamt mit einer Wasserspülung ausgestattet waren. Das Abwasser lief lediglich in den Wallgraben, da es zu dieser Zeit in Zons keine Kanalisation gab. Normalerweise standen den Schutzsuchenden im Kreisgebiet nur Trockenklosetts inForm von Eimern zur Verfügung. So kann man in diesem Fall schon von Luxus sprechen. Selbst die Trennwände zwischen den Toiletten sind heute noch zu erkennen.

Skizze: Luftschutzbunker am Feldtor in Zons

Die 11 Schutzräume sind alle 4,50 Meter lang und 1,60 breit und boten mit je 7,2 m² Platz für jeweils mindestens 15 Personen. Alle Räume waren mit Bänken ausgestattet. Da es eine feste Zuteilung gab,wer in welchem Raum Zuflucht suchen durfte, konnten die Insassen die Räume zusätzlich einrichten. Zu möglichen Einrichtungsgegenständen gehörten z.B. Matratzen, Betten und auch Lebensmittel. Dasdürftige Notgepäck bestand meist nur aus den wichtigsten Dokumenten. Mehr durfte bei Luftalarm nicht mit in den Bunker genommen werden. Die Belüftung erfolgte über Rohre, welche durch die 1,40 Meter starke Außenwand in den Wallgraben führten.

Für den Fall, dass der Eingang nach einem Bombenangriff verschüttet war, musste jeder Bunker über einen Notausgang verfügen. Dieser befand sich für gewöhnlich in der Gebäudeseite, die dem Einganggegenüber lag. Dies erleichterte zudem die Lüftung der Anlage. Der Notausgang im Bunker am Feldtor war ursprünglich durch eine Holztreppe zu erreichen. Reste der Holztreppe wurden bei der Aufräumaktion im August 2019 von uns entfernt.

Bis Ende der 50er Jahre nutzten Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten diesen Bunker, zunächst als Notquartier und später als Lagerraum. Mit ihrem Auszug endete auch die Nutzung dieser Räume. Durch Undichtigkeit der Bunkerdecke trat Wasser ein und spülte den Kalk aus dem Beton. Auf diese Weise bildeten sich während der letzten 60 Jahre Tropfsteine, die an einigen Stellen bis zum Boden reichen. 

 

Oberes Bild: Bau des Bunkers am Feldtor im Februar 1944, Quelle: Photoarchiv Thomas Schwabach
Unteres Bild: Skizze: Luftschutzbunker am Feldtor in Zons